© 2018 Aigner-Monarth

„Unerhört“ heißt die jüngste Produktion des inzwischen weltweit auftretenden Nürnberger Papiertheaters. Sie bringt den biblischen Inhalt in starken und überraschenden Bildern, Gesten und Tönen auf die Bühne. Drei Sprachen sind es, die hier zueinander finden müssen: Die Bilder, die auf, mit und durch Papier entstehen; die Musik, die hier nicht als Begleitung des Gezeigten, sondern als eigenständige Ausdrucksform auftritt; und die Gebärdensprache – die dem Publikum oft unverständlich bleibt, deren Eleganz und Schönheit aber das Fremde nahe bringen.

Der Turm, in der Inszenierung als Schattenspiel aus bedenklich schwankenden Holzklötzchen aufgestapelt, ragt bis zum Himmel und über die obere Kante der Leinwand hinaus. Bei seinem Bau ist Harmonie zwischen den Menschen zu spüren, die gemeinsame Kraftanstrengung lässt Rivalitäten vergessen. Nach seinem Einsturz aber geht diese Harmonie verloren, das Klavier behauptet sich mit atonaler Lautstärke, mit Mund und Händen wird viel geredet, wild gestikuliert – alles aber aneinander vorbei. Erst langsam kommt die Musik wieder in harmonische Fahrwasser, die Gesten verlieren an Ruppigkeit und die Sprache wird friedlicher.

Wenn die Macher des Nürnberger Papiertheaters sich der Interpretation des Turmbaus zu Babel annehmen, dann scheuen sie nicht vor der Moral dieser Geschichte zurück: Ein Abend, der zu Toleranz, Akzeptanz des Fremden und friedlichem Zusammenleben aufruft.

http://archiv.luther2017-bayern.de/artikel/nachbericht-unerhoert/